BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Iserlohn

Stellungnahme zum Pressebericht „Großes Lob für Theaterdirektor“

09.03.2020 · Ratsfraktion, Kultur

In der Presseberichterstattung vom 6.3.2020 „Großes Lob für Theaterdirektor Johannes Josef Jostmann“ lassen sich die SPD Kulturpolitiker*innen dafür feiern, dass sie eine/n Nachfolger*in zur Neubesetzung der Stelle des Kulturbüroleiters suchen, der/die dann für ein halbes Jahr vom jetzigen Kulturbüroleiter eingearbeitet werden soll. Wenn die SPD als Kulturpartei, wie sie sich selbst bezeichnet, für die Nachfolge des Kulturbüroleiters schon jetzt die Weichen stellen will, dann kann das, was sie damit meint, nicht unwidersprochen bleiben. Die neue Frau oder der neue Mann wird im Iserlohner Kulturleben eine extrem wichtige Position bekleiden.

Hier schon vorher Fesseln anzulegen, indem man sie/ihn auf die Linie des Amtsvorgängers trimmt, dürfte von vorneherein kontraproduktiv und wahrscheinlich auch bewerbungshemmend sein.

Johannes Josef Jostmann – so lässt die SPD wissen – sei für seine erfolgreiche Tätigkeit als Theaterdirektor großes Lob zu zollen und schwärmt geradezu von einer „herausragenden Arbeit, die von außen bescheinigt wird und erhalten bleiben müsse“. Dem kann man zustimmen, wenn der Maßstab die Vermarktung des Parktheaters als Spielstätte ist. Auch die Kundenfreundlichkeit ist in der Tat vorbildlich, die Selbstdarstellung immerhin bemerkenswert. Dass Iserlohn einen Theaterdirektor hat, ist eigentlich lächerlich genug, weil es dafür nun mal keine Grundlage gibt.

Aber, so schrieb Wolf R. Seltmann (ein Sozialdemokrat!) bereits vor exakt 10 Jahren, „Besucherzahlen sind kein Qualitätsmerkmal für ein verantwortliches Theaterproramm“ und er argumentiert treffend, weil auch heute noch gültig, dass es um ein „ausgewogenes Programm von unterhaltsamen und anspruchsvollen Angeboten“ zu gehen hat. Kultur ist in der Tat nicht nur Unterhaltung und Zerstreuung, sondern auch Bildung und Aufklärung (im philosophischen Sinne). Es ist aber auch Pflege eines großen kulturellen Erbes und ebenso Auseinandersetzung mit aktuellen Kulturschöpfungen.

Jede Neubesetzung, vor allem in einer so wichtigen Funktion, bietet die Gelegenheit für eine Neujustierung des Aufgabenbereichs. Allerdings sollte dieser Aufgabenbereich auch, möglichst schon in der Ausschreibung fest umrissen werden. Das Parktheater ist sicherlich das Flaggschiff der Iserlohner Kultur, aber gewiss nicht das Einzige, auch wenn die übrigen Institute (Musikschule, Archiv, Museum, Bücherei, VHS, Galerie) eigenverantwortlich agieren und seit Jahren eine überzeugende Vielfalt und eine auf der Höhe der Zeit befindliche Qualität abliefern. In die Aufzählung des Iserlohner Kulturangebots gehören aber auch die freien Träger, allen voran die Kirchen, schließlich auch die sogenannte freie Szene und all diejenigen, die Angebote für die bildende Kunst vorhalten.

All das sollte ein Kulturamtsleiter im Blick haben, auch wenn er im Einzelnen nicht dafür verantwortlich ist. Iserlohn braucht also keinen Theaterdirektor nach Mustervorgabe, sondern jemanden, der kommunalpolitisches Kulturmanagement kann und mit kreativen Inhalten füllt.