BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Iserlohn

Das schlechte Abschneiden beim Fahrradklimatest ist das Ergebnis einer rückwärtgeandten und ängstlichen Iserlohner Politik

14.04.2019 · Ortsverband, Verkehr

Für die Grünen Iserlohn ist das Abschneiden Iserlohns beim Fahrradklimatest des ADFC nicht überraschend, weil es keine neuen Erkenntnisse bringt. Dass das Stadtzentrum per Rad schlecht zu erreichen ist, dass zu viele Umwege gefahren werden müssen, um verhältnismäßig sicher ans Ziel zu kommen und dass zu wenig für den Radverkehr in Iserlohn getan wird, ist allen Verantwortlichen in der Iserlohner Politik und der Verwaltung schon seit mindestens fünfzehn Jahren bekannt.

Daraus resultierte vor zwölf Jahren die politische Initiative der GRÜNEN zur Erstellung eines Radverkehrskonzeptes, das erst zehn Jahre später durch die Stadtverwaltung Iserlohn vorgelegt werden konnte. Für die relativ kostengünstige Umsetzung des eher wenig ambitionierten Konzeptes wollte man sich laut Ratsbeschluss zehn weitere Jahre Zeit lassen.

„Das Iserlohner Radverkehrskonzept ist deswegen wenig ambitioniert, weil es ganz klar in dem Geist erstellt wurde, den Radverkehr irgendwie und möglichst wenig störend in die vorhandene Verkehrsinfrastruktur einzuweben. Einerseits muss man also froh sein, nach zehn Jahren überhaupt etwas in der Hand zu haben, andererseits ist es frustrierend zu sehen, dass der Radverkehr von der Mehrheit der Iserlohner Politik auch weiterhin nicht wirklich ernst genommen wird“, meint John Haberle, Sprecher der Grünen Iserlohn.

Die Iserlohner Grünen fordern, dem Radverkehr einen höheren Stellenwert in der Iserlohner Verkehrsplanung zu geben. Wie der öffentliche Nahverkehr, so ist auch der Radverkehr ein wichtiger Baustein zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Verkehrspolitik.

„Der Gedanke, dass in Zeiten der Klimakrise, eines sich verändernden Mobilitätsverhaltens und des Transformationsprozesses hin zu mehr Elektromobilität die Verkehrs- und Raumplanung so weiterlaufen kann wie in den letzten hundert Jahren, ist absurd, politisch aber leider mehr als nachvollziehbar. Da sowohl der öffentliche Raum als auch die finanziellen Mittel faktisch begrenzt sind, müssen Prioritäten gesetzt werden. Mehr Radverkehr heißt dann manchmal wahrscheinlich auch, dass dem PKW weniger Raum zur Verfügung gestellt wird. Die Aufgabe der Politik wäre es, für Ziele, wie eine verbesserte Radinfrastruktur, die Schaffung der Rahmenbedingungen für E-PKW und einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr zu werben, mit den Bürgerinnen und Bürgern in einem Aushandlungsprozess einzusteigen und die geeigneten Maßnahmen anschließend zügig umzusetzen. Ein solcher Prozess ist schwierig, kann Stammwähler kosten und erfordert Kompromissbereitschaft auf allen Seiten. Politik muss Visionen haben, zur Diskussion stellen und vermitteln. Genau das tut sie in der Mehrheit derzeit aber nicht“, so der Grünen-Sprecher John Haberle.

So hängt für die GRÜNEN Iserlohn auch die derzeitige Auseinandersetzung um die Parkplatzsituation am Seilersee einerseits mit der Frage nach der Nutzung des öffentlichen Raumes zusammen und ist andererseits als klassisches Politikversagen zu werten. Die Beschwerden des am Seilersee ansässigen Schwimmvereins ISSV sind somit nachvollziehbar begründet.

Der Grünen-Sprecher John Haberle hat somit auch Verständnis für die Anwohner sowie den Schwimmverein und meint, „um das Problem aus der heutigen Sicht zu lösen, bräuchte es schlicht mehr PKW-Parkraum. Ein begrenzter Raum wie das Naherholungsgebiet Seilersee würde durch mehr Parkraum und mehr PKW-Verkehr aber weiter an Attraktivität verlieren. Um diesen Wiederspruch aufzulösen braucht es nicht nur ein schlüssiges Konzept, dass über die simple Idee ‚mehr Parkplätze’ hinausgeht, sondern auch Mut und die Bereitschaft einer offenen Diskussion mit dem Ziel zu einem attraktiveren öffentlichen Raum mit weniger PKW-Verkehr zu kommen. Eine Stadt- und Verkehrsplanung, die als erstes die Frage stellt, wie Schülerinnen, Schüler und Lehrende eine Schule sicher und bequem zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem ÖPNV erreichen, wird am Ende gar nicht mehr so viele Parkplätze benötigen.“