BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Iserlohn

Besichtigung des Müllheizkraftwerks: Der Versuch eines vorbehaltlosen Rundgangs

05.03.2015 · Umwelt, Ortsverband

Der Besuch des Stadtverbandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN war von Neugier geprägt. Sie wollten in erster Linie erfahren, wie so ein Müllheizkraftwerk (MHKW) von innen aussieht und wie genau es funktioniert, unseren täglich anfallenden Müll zu entsorgen bzw. der energetischen Verwertung zuzuführen um Strom und Fernwärme zu erzeugen.

Als Erstes erfuhren sie also, dass das MHKW seit 2001 teilprivatisiert ist. Das war nun keine Überraschung und noch weniger überraschend war im Grunde die ernüchternde Feststellung, dass das mit dem vorbehaltlosen Rundgang schwierig werden könnte. Automatisch stellten sich, auch wenn das Werk noch so vorbildlich geführt wird, die Vorbehalte gegenüber privatwirtschaftlichen Ermessensgrundlagen im Zusammenhang mit der Daseinsvorsorge ein.

Das MHKW ist und bleibt also ein Politikum. Reines Gewinnstreben und eine rein betriebliche Logik stehen offenkundig im Widerspruch zu den politischen Zielen umweltschonender Abfallwirtschaft; sie sind außerdem unökologisch und erschweren den zukünftigen Umbau der Abfallwirtschaft zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, bei der die Müllvermeidung, die Wiederverwertung und das Recycling oberste Priorität haben. Womit das Thema Biomüllverwertung in den Mittelpunkt des Interesses rückte.

Ob sie denn im MHKW mit einem starken Rückgang der Restmüllmenge rechnen würden, lautet die Frage der Grünen. Das wurde sehr unaufgeregt verneint. Es sei mit dem im Märkischen Kreis eingeführten Bringsystem nicht anzunehmen, dass eine engagierte Biomülltrennung von der Bevölkerung vorgenommen würde. Das heißt unter den Strich politischer Erwägungen gezogen: Einer verbesserten Bewirtschaftung von Bioabfällen, die ein unausgeschöpftes Potenzial für erhebliche ökologische und wirtschaftliche Vorteile birgt, fehlt schlichtweg die nötige politische Unterstützung.

Der Versuch eines vorbehaltlosen Rundgangs konnte irgendwie nicht klappen. Ohne Vorbehalte lässt sich sagen: Technisch interessant, so ein Müllheizkraftwerk. Aus politischer Sicht allerdings verbleiben die Bündnisgrünen fragend: Wo bleibt der Mut zu klaren und belastbaren Konzepten für eine Abfallbehandlung, die eine echte Kreislaufwirtschaft beherzigt und der bestehenden Abfallhierarchie, die durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz aufgestellt wurde, gerecht wird? Dazu müssten sich zum Beispiel ernsthaft Gedanken zu alternativen und adäquaten Abfallbehandlungsanlagen wie etwa Vergärungs- oder Kompostierungsanlagen im Märkischen Kreis gemacht werden.

Weitere Meldungen zu dem Thema